Der Hochaltar

Der Hochaltar stand bis zur Reformation in der jetzigen evangelischen Kirche, von dort wurde er in die Gasthauskirche übernommen. Er hat den Neubau der Kirche und mehrere Kriege überstanden. Der Hochaltar bildet den zentralen Blickfang der Kirche und ist auch kunstgeschichtlich ein hochbedeutendes Werk.

Als Flügelaltar wurde er im Mittelalter nur an hohen Festen aufgeklappt, so dass Leben und Heilswirken Jesu sichtbar wurden. Im Normalen Jahreskreis war der Hochaltar eingeklappt und das Leben und Wirken des Heiligen Nikolaus als Patron von Kirche und Gemeinde wurde sichtbar.

Den inneren Teil bildet der Brüsseler Schnitzaltar von ca. 1490/1510 mit der Darstellung von Leben, Tod und Auferstehung Christi. Die auch heute noch am Schnitzaltar befestigten beidseitig bemalten Innenflügel stammen aus der Werkstatt des Brüsseler Malers Colijn de Coters, der im letzten Drittel des 15. Und zu Beginn des 16 Jh. In Brüssel tätig war. Die vom Meister selbst gestalteten Außenflügel hängen an den rechten und linken Seitenwänden der Kirche. Ob sie ursprünglich zu diesem Hochaltar gehörten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Malereien stammen ebenfalls aus der Zeit um 1490-1500.

Die Vergoldung und die farbige Fassung des Schnitzwerkes sind zu großen Teilen original, Restaurierungen gehen auf das Jahr 1851 zurück, die Flügel wurden 1950 – 1952, die geschnitzten Werke 1967 -1974 umfassend restauriert.

Der Hochaltar beschreibt das Leben und das Heilswirken vor allem das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Schnitzwerk und Bilder müssen zusammen gesehen werden, die Bildfolge gestaltet sich von links nach rechts und von unten nach oben. Vor und nach der Kreuzigung als zentralem Heilsereignis werden die beiden kleinen Bilder links und rechts oben eingeschoben. Sie heben damit die Kreuzigung noch einmal hervor. Die Außenflächen beschreiben das Leben des Heiligen Nikolaus als Patron der Kirche und Gemeinde.

Die vier einzelnen Tafeln zeigen auf der Vorderseite oben die vier Evangelisten, unten die vier Kirchenväter der Westkirche, auf der Rückseite zeigen sie die vier sogenannten Kölner Marschälle, die während de3s späten Mittelalters besonders im Bereich der Diözese Köln sehr verehrt wurden. Bis zur Säkularisation gehörte Orsoy und die Gemeinde St. Nikolaus zur Diözese Köln. Seit dem gehört St. Nikolaus wie der gesamte Niederrhein zum Bistum Münster.

 

Zum Bildprogramm des Hochaltares – aufgeklappt

Taufe Jesu im Jordan

Auferweckung des Lazarus

Jesus zu Gast im Haus des Simon ( Lukas 22, 14, 23)
Dabei: Salbung der Füße durch die Sünderin (Maria Magdalena)

Einzug Jesu in Jerusalem
im Hintergrund jubeln Menschen von der Stadtmauer aus

Das letzte Abendmahl
an der rechten Seite die Gesetzes Tafeln mit zwei Sabbatleuchtern.

  1. Christus am Ölberg
    im Hintergrund drei Personen, eine steigt über einen Zaun.
  2. Jesus gibt sich in die Hände eines ungeordneten Sodatenhaufens; im Hintergrund: Judas mit dem Geldbeutel, weist Soldaten den Weg.
  3. Verhaftung Jesu: Judas verrät Jesus durch einen Kuss, Jesus heilt den Malchus, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hat. Petrus steckt sein Schwert gerade wieder in die Scheide.
  4. Christus vor den Hohepriestern Kajaphas und Hannas (Joh 18, 12-27)
  5. Jesus vor König Herodes;
    im Hintergrund wird Jesus gegeißelt
  6. „Ecce Homo“ Jesus wird vom römischen Statthalter Pontius Pilatus den Juden vorgestellt; im Vordergrund die typische Figur des feisten Alten im langen Talar mit Gürtel und Geldbeutel;
  7. Im Hintergrund wäscht Pilatus sich die Hände und beteuert seine Unschuld am Tod Jesu (Matthäus 27, 24); im Vordergrund die Kreuztragung, zur Siete links Veronika mit dem Schweißtuch, hinter dem Kreuz: Johannes mit Maria, der Mutter Jesu.
  8. Christus wird seiner Kleider beraubt
  9. Im Hintergrund die Kreuzaufrichtung; im Hauptfeld die Kreuzigung: Christus am Kreuz, seitlich die Schächer, am Fuß des Kreuzes Maria Magdalena, Maria die Frau des Klophas und Maria, die Mutter Jesu, gestützt von Johannes. Vorne links ein Priester und Menschen, die sich abwenden, vorne rechts deutet der heidnische Hauptmann auf Jesus: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn (Matthäus 27, 54)
  10. Kreuzabnahme
  11. Im Hintergrund die Pieta: Die Gottesmutter hält ihren toten Sohn auf dem Schoß; im Vordergrund die Grablegung, vor dem Sarg kniet Maria Magdalena.
  12. Höllenfahrt Christ: Christus steht vor dem aufgerissenen Rachen eines Ungeheuers und reicht Adam die Hand, daneben Eva, die Hände bittend erhoben, am Boden liegt ein Teufel, Symbol für den bezwungenen Tod, im Hintergrund die Auferweckung der Toten am Jüngsten Tag.
  13. Auferstehung Christi, im Hintergrund erscheint der Auferstandene Maria Magdalena, die ihn Rabbuni (Meister) nennt (Johannes 20, 16)

 

Zum Bildprogramm des Hochaltares – eingeklappt

1.                 Wahl des Hl. Nikolaus zum Bischof
2.                 Heilung und Dank des Vaters der drei Jungfrauen
3.                 Bischofsweihe des Hl Nikolaus
4.                 Das Brotwunder des Hl. Nikolaus
5.                 Der H. Nikolaus errettet drei unschuldig zum Tod Verurteilte
6.                 Tod des Hl. Nikolaus. Die Seele wird von Engeln zum Himmel getragen

Vier Tafeln aus der Hand Colijn de Coters – Vorderseite
Die vier Evangelisten und die vier römischen Marschälle

1.         oben: Evangelist Johannes mit dem Adler
unten: Papst Gregor mit Tiara und Vortragekreuz

2.         oben: Evangelist Lukas mit dem Stier
unten Augustinus mit dem Herz als Bischof von Hippo Regio

3.         oben: Evangelist Markus mit dem Löwen
unten: Hieronymus mit Kardinalshut und Vortragekreuz

4.         oben: Evangelist Matthäus mit dem Engel
unten: Ambrosius als Bischof von Mailand

Vier Tafeln aus der Hand Colijn dse Coters – Rückseite
Die Vier Kölner Marschälle

1.             Hl. Hubert mit dem Hirsch
2.             Hl. Antonius mit dem Schwein
3.             Hl. Quirinius als Soldat mit Lanze, Schild und Schwert
4.             Hl. Papst Cornelius mit Tiara, Vortragekreuz und Horn.

(Quelle: katholische Gemeinde St. Nikolaus)

Aber am besten, Ihr kommt selber einmal vorbei und schaut ihn Euch persönlich an.
Sonntags um 10.00 Uhr oder danach ist eine gute Gelegenheit!

 

One thought on “Der Hochaltar von St. Nikolaus

  1. Heinz van de Linde sagt:

    Welche Freude, den Hochaltar an seinem alten Ort – wenn auch vorübergehend – zu sehen.
    Das, zusammen mit der Renovierung der Kirche, in der ich getauft und konfirmiert wurde, ist ein wahrer Moment des Glücks. Gratulation auch für die gelungene Website.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.